Blütenwasser – die erfrischende und pflegende Geheimwaffe in der Naturkosmetik

Öle, Wachse und nun auch noch Blütenwasser; es ist schon allerhand, was wir in unserer täglich genutzten Kosmetik finden. Diese Woche möchte ich euch einmal etwas ausführlicher vorstellen, was Blütenwasser ist, wofür es gut ist und weshalb ihr es in eurem Schrank haben solltet. Der Begriff Blütenwasser ist vielen unter Umständen gar nicht so geläufig, vielleicht habt ihr eher von Hydrolaten oder Tonics gehört. Die Begriffe sind nicht unbedingt identisch, werden jedoch gern als solche benutzt. So genannte Echte Hydrolate werden mittels Wasserdampfdestillation gewonnen. Eigentlich sind Hydrolate auch eher ein Abfallprodukt, das bei der Destillation von Pflanzen anfällt, doch unlängst wurde deren Wirkung entdeckt. Seit langer Zeit kommen sie deshalb besonders bei Aromatherapeuten zum Einsatz. Welche Wirkung und Verwendung sie haben, lest ihr weiter unten.

Herstellung von Hydrolaten

Zur Herstellung von Hydrolaten benötigt man eine Destille. Das Blütenwasser wird mittels Wasserdampfdestillation gewonnen. Destillation ist ganz allgemein ein thermisches Trennverfahren, um verdampfbare Flüssigkeiten zu gewinnen. Der Begriff stammt vom Lateinischen „destillare“ ab, was so viel wie „herabtröpfeln“ bedeutet. Äußerst einfach beschrieben benötigt man dafür Wasser, die entsprechenden (zerkleinerten) Pflanzen, etwas zum Auffangen des Hydrolats und ein entsprechendes Behältnis, in dem der Wasserdampf entsteht und anschließend mittels Kondensation wieder flüssig wird und als Hydrolat in das Auffangschälchen tropft. Es ist realistisch gesehen natürlich sehr viel aufwändiger, aber zur ganz einfachen Veranschaulichung genügt es. Hydrolate bestehen aus den fett- und wasserlöslichen Komponenten der ätherischen Öle der Pflanze und weiteren wasserlöslichen Komponenten. Dabei werden nicht nur Hydrolate aus „Ätherisch-Öl-Pflanzen“ hergestellt, sondern auch aus jenen, die als Ausgangspflanze keine oder kaum ätherische Öle enthalten. Bekannte Hydrolate sind hierbei Hamamelisblütenwasser oder Holunderblütenhydrolate.

Konservierung von Blütenwässern

hydrolatKonservierung ja oder nein – das ist wohl eine der zentralen Fragen, insbesondere jener, die sich selbst Blütenwässer herstellen. Ein gern eingesetzter Konservierungsstoff ist – wie in Naturkosmetik gängig – Alkohol (bis zu 15%). Aber auch Sorbinsäure und Benzoesäure werden durchaus als Konservierer genutzt. Die Notwendigkeit einer Konservierung ist umstritten. Es heißt, dass bei optimaler Lagerung (dunkel und kühl, ggf. auch in der Kühlschranktür) des puren Hydrolats eine Haltbarkeit von bis zu einem Jahr gegeben ist. Für die meisten Hersteller ist die Variante der Konservierung vermutlich die einfachere. Zudem hängt es auch davon ab, wofür das Hydrolat genutzt wird. Als Inhaltsstoff einer Emulsion oder ähnlichem kann durchaus eine gewisse Konservierung sinnvoll sein, da das Endprodukt in den meisten Fällen ebenfalls leicht konserviert wird. Durch die Vorkonservierung des Hydrolats kann dadurch die Konservierung des Endprodukts überflüssig sein. Ob nun Konservierung oder nicht – ich kann jedem von euch nur raten, einen Blick auf die INCI-Liste zu werfen. Und letzten Endes muss der Käufer für sich entscheiden, was er besser findet.

Wirkung und Verwendung von Hydrolaten

Hydrolate gibt es sowohl pur als auch als Bestandteil (als Wasserphase) eines Produkts, z.B. einer Creme oder auch eines Haarstylingproduktes. In der puren Form werdet ihr es im Geschäft entweder als klar deklariertes Blütenwasser finden oder aber auch als Gesichtswasser bzw. Tonic. Die Tonics von Martina Gebhardt Naturkosmetik enthalten beispielsweise Blütenwässer. Doch auch einige Haarspülungen, Badezusätze o.ä. enthalten Blütenwasser. Manch einer fragt sich nun womöglich, wieso es Blütenwasser an Stelle von Wasser sein muss. Die Antwort darauf ist relativ einfach, denn Wasser reinigt nur oberflächlich, weil es von der Haut abperlt. Blütenwässer hingegen enthalten Mikronährstoffe, die in die Haut eindringen und ihre Wirkung damit von innen heraus entfalten können. Die genannten Nährstoffe werden bei der Destillation der Pflanze ausgeschieden. Und dadurch erklärt sich rein oberflächlich auch schon die Wirkung. In der Regel und bei korrekter Destillation zeigen die Hydrolate die Wirkung ihrer Ausgangspflanze. Trotzdem weisen sie häufig eine charakteristische Besonderheit auf, die das ätherische Öl der Ursprungspflanze nicht innehat bzw. nicht in dieser Ausprägung. Je nach Pflanze wirken die Hydrolate z.B. anregend, stimulierend, entzündungshemmend, adstringierend, antiviral. Zudem entfalten die Blütenwässer häufig einen ehr angenehmen Duft, was den verbreiteten Einsatz in der Aromatherapie erklärt.
Hydrolate sind äußerst bekömmlich und eignen sich sogar für Schwangere und Säuglinge. Sie haben keine – bislang bekannten – Nebenwirkungen. Auch bezüglich der Augennetzhaut, den Schleimhäuten und der Haut im Allgemeinen zeigen sich Hydrolate als sehr verträglich.

Riesige Auswahl an Hydrolaten: von Kamille über Rose bis zu Zimt

Wer nun denkt, unserer Fantasie ist bei den Blütenwässern eine Grenze gesetzt – nope! Es gibt eine riesige Anzahl unterschiedlicher Hydrolate, doch nicht alle sind bei uns käuflich. Ich habe neulich aus verschiedenen Quellen entnommen, dass Frankreich das Land der Blütenwässer ist. Und – ohne das abwertend zu meinen – ich kann mir das durchaus gut vorstellen, da Franzosen viel Wert auf ihr Äußeres und ihr Wohlbefinden legen. Aber zurück zu den Hydrolaten, hier nun eine kleine Auswahl und deren Einsatzgebiet:

  • Kamille: Pflege für empfindliche Haut, zu finden in Gesichtswässern, Cremes und Bädern, als Unterstützung in Neubeginn-Situationen (psychologisch betrachtet)
  • Lavendel: für die Herstellung von Shampoos, kühl/gefroren als Kompresse bei Insektenstichen oder Verbrennungen
  • Neroli: ist die Blüte der Bitterorange, duftet sehr frisch, hilft gegen schlechte Laune, bei Irritationen und depressiven Verstimmungen, für Aromalampen geeignet
  • Rose: ein sehr umstrittener Duft, der sich hervorragend zur Naturparfum-Herstellung eignet, wird vor allem in Gesichtsprodukten wie Cremes, Gesichtswässern eingesetzt
  • Sandelholz: gern genutzter Bestandteil exotisch duftender Naturparfums
  • Zimt: findet sich in Cremes oder Salben mit reinigender, erwärmender Wirkung sowie in Anti-Cellulite-Gels

Blütenwasser in der Küche und dem Kochtopf

Übrigens: Blütenwässer werden zwar vorrangig in der Körperpflege (und für die Sinne) eingesetzt, doch gibt es auch eine nicht zu unterschätzende Wirkung auf diverse Speisen. Beispielsweise werden die Aromen der Blüten in der arabischen, türkischen, persischen, indischen und marokkanischen Küche zum Verfeinern von Speisen genutzt. Diese Formen erhält man bei uns in Reformhäusern und der Apotheke sowie in asiatischen und türkischen Geschäften.

By | 2017-08-21T20:00:53+00:00 August 21st, 2017|Blog|0 Comments

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