Pflanzenextrakte in der Naturkosmetik

So, nun sind wir tatsächlich schon beim sozusagen letzten Teil meiner Serie an pflanzlichen Bestandteilen in Naturkosmetik angekommen. Ich habe euch bereits ausführlich über Öle und Wachse berichtet und zuletzt auch über Blütenwasser. Heute möchte ich euch Pflanzenextrakte vorstellen und aufzeigen, was das ist, wie es hergestellt wird und welche Extrakte euch vermutlich täglich begleiten. Der Vorteil von Extrakten ist ihre hohe Wirkung, das heißt sie sind viel konzentrierter als beispielsweise Abkochungen oder ähnliches und sind ein beliebter Inhaltsstoff in Naturkosmetik.

Was ist ein Extrakt?

Ein Extrakt wird in Pharmazie und Medizin als jenes Arzneimittel (pharmazeutisch: Droge) bezeichnet, das mittels Extraktion aus verschiedenen Rohmaterialien gewonnen wird. Normalerweise werden Extrakte aus tierischen Materialien oder getrockneten pflanzlichen Drogen hergestellt und haben nach der Extraktion eine flüssige, halbfeste oder feste Beschaffenheit. So zumindest lautet die Definition des Europäischen Arzneibuches.
Daneben gibt es noch so genannte Trockenextrakte. Damit ist der in Arzneimitteln befindliche Wirkstoff von Pflanzenteilen gemeint. Zur Herstellung wird der Pflanzenteil (oder die Pflanze) getrocknet und auf einen definierten Wirkstoffgehalt eingestellt. Zusammen mit sog. Hilfsstoffen werden die abgemessenen Wirkstoffmengen zu einem Fertigarzneimittel verarbeitet.

Also, ganz einfach gesagt ist Extraktion jedes Trennverfahren, bei dem mit Hilfe eines Extraktionsmittels das so genannte Extraktionsgut aus einem Stoffgemisch herausgelöst wird. Der extrahierte, also herausgezogene Stoff ist das Extrakt. Das fast jedem bekannte und täglich genutzte Extraktionsverfahren ist das morgendliche Kaffee-kochen, denn unsere Kaffeemaschine extrahiert die Aromastoffe des Kaffeepulvers, filtert diese und präsentiert uns schließlich die geliebte braune Guten-Morgen- und-Start-in-den-Tag-Brühe 😉

Wie wird ein Extrakt hergestellt?

Um ein Pflanzenextrakt herzustellen, wird zu der Pflanze bzw. dem Pflanzenteil ein Lösungsmittel gegeben. Lösungsmittel können fettes Öl, Alkohol, Wasser oder auch organische Lösungsmittel sein. Dabei ist wichtig zu wissen, dass die Qualität jedes Extrakts von bestimmten Bedingungen abhängig ist: zunächst ist jede Pflanze anders, das heißt der Wirkstoffgehalt unterscheidet sich nach Anbaugebiet und –technik sowie Sorte. Daneben spielen aber auch die Bedingungen der Extraktion eine wesentliche Rolle – also welche Lösungsmittel werden eingesetzt unter welchem Temperatur- und Lagerbedingungen? Für ein detailliertes und bebildertes Beispiel einer Turbo-Extraktion empfehle ich euch diese Seite von Olionatura: http://www.olionatura.com/2012/11/16/granatapfel-und-olivenblatt-extrakt/

Granatapfel-Extrakte für reife Haut

granatapfel-extraktHäufig wird Granatapfel eher als Öl (gewonnen aus den Samen der Frucht) eingesetzt, dabei haben auch die Granatapfelextrakte wertvolle Eigenschaften, die die Haut pflegen und in ihrer Funktion unterstützen. Der Granatapfelbaum ist im Übrigen eine uralte Kulturpflanze, dessen Herkunft in Asien vermutet wird. Der Granatapfel enthält die seltene Punicinsäure, die über sehr hohe antioxidative Eigenschaften verfügt. Daher wird der Granatapfel-Extrakt für reife, beanspruchte und trockene Haut eingesetzt. Er wirkt zellrevitalisierend, schützt und kräftigt Haut und Bindegewebe. Auf lange Sicht wird die Elastizität und Festigkeit der Haut spürbar verbessert.

Malven-Extrakt lindert Hautprobleme

malve-extraktDie Malve ist nicht nur optisch ein Hingucker, sondern überzeugt auch in der Wirkung. Bestehend aus Schleimstoffen, Flavonoiden, Polysaccchariden und Gerbstoffen wird sie vorrangig als getrocknete Droge in Tinkturen, Auszügen oder Hydrolaten weiterverarbeitet. Insbesondere die Schleimstoffe sorgen für die reizlindernde Wirkung. Demzufolge wird Malve vorrangig bei entzündlicher Haut durch Akne, Neurodermitis oder bei Ekzemen eingesetzt. Malve ist sehr mild und wird sehr gut von sensibler Haut vertragen. Neben dem kosmetischen Einsatz wird Malve bei gesundheitlichen Beschwerden wie Husten, Halsschmerzen und Entzündungen im Mund- und Rachenraum angewandt. Und ganz nebenbei…denn es ist ja nicht mehr lange hin…die Blüten der Malve können auch zum Ostereier färben genutzt werden.

Hamamelis-Extrakt aus der Zaubernuss

Hamamelis-ExtraktDer Hamamelis-Extrakt ist ein sehr beliebter Inhaltsstoff in Kosmetika, da die Wirkung sehr vielseitig ist. Zum einen wirkt die Zaubernuss hautstraffend und eignet sich damit hervorragend bei reifer Haut, die zunehmend an Spannkraft und Vitalität verliert. Daneben wird das Hautbild verfeinert, das heißt die Haut wirkt glatter, straffer und fülliger. Zum anderen wirkt Hamamelis entzündungshemmend, sodass gestresste Haut sich entspannt und die Regeneration gefördert wird. Hamamelis-Extrakt eignet sich demzufolge bei sonnengeschädigter Haut, bei Akne sowie bei kleineren Verletzungen, zum Beispiel nach der Rasur.

Wichtig zu wissen ist dabei, dass nur bei wässrig-alkoholischen Extrakten der Hamamelis (sowie bei Abkochungen) die Gerbstoffe wie Hamamelistannine vorliegen, nicht jedoch bei Destillaten etc. Hamamelistannine verringert die Durchblutung in den feinen Kapillargefäßen durch Komplexbildung mit den Proteinen der Haut. Dadurch werden entzündliche Hautreaktionen vermindert. Hamamemlisrindenextrakt befindet sich oftmals gering dosiert in Gesichtswassern, After Shaves und Haarspülungen.

Ingwer-Extrakt

ingwer-extraktIngwer ist das Rhizom der Ingwerpflanze und ist in den letzten Jahren vermehrt in allen Supermärkten zu finden. Doch nicht nur in der Ernährung spielt er eine wichtige Rolle, sondern hat auch in der Kosmetik sein Einsatzgebiet. Die Herkunft scheint noch nicht endgültig geklärt, jedoch ist Ingwer im asiatischen und australischen Raum seit Jahrtausenden bekannt. Der Ingwer-Extrakt wirkt durchblutungsfördernd und regt somit unseren Stoffwechsel an. Er befindet sich häufig in straffenden oder regulierenden Pflegeprodukten. Ingwer wirkt entzündungshemmend und kann somit auch punktgenau bei kleineren Pickelchen wahre Wunder bewirken.

Fazit zu Pflanzen in Naturkosmetik

Puh, ich muss sagen, das war sehr intensiv und lehrreich diese ganzen Informationen der letzten Wochen zusammenzutragen. Und am Ende kann ich nur sagen, ich finde es immer wieder faszinierend, welches Wunder unsere Natur doch ist. Es gibt so unsäglich viele Pflanzen, die uns am Wegesrand kreuzen, nach nichts aussehen und von uns im wahrsten Sinne des Wortes links liegen gelassen werden. Dabei hat jede einzelne ihre Daseinsberechtigung, hat wunderbare Eigenschaften, die für Körper, Geist und Seele nutzbar sein kann. Doch wie bei so vielen kleinen natürlichen Wundern kennen wir die „Zauberkraft“ gar nicht und brauchen Botaniker, die uns darauf aufmerksam machen. Kennt noch jemand von euch den Schulgarten? Bei uns war das in der Grundschule Pflicht, sich darin nützlich zu machen. Ich glaube, wenn einem dort von wirklich interessierten Menschen der Nutzen der Pflanzen erklärt worden wäre, hätte man für sich auch mehr als ein lästiges Umgraben herausziehen können. Wie cool wäre es, in einem Schulprojekt seine eigene Creme aus eigens angebauten und geernteten Pflanzen zu kreieren?! Na, vielleicht werde ich ja im nächsten Leben Bio- oder Sachkunde-Lehrer…

By | 2017-08-21T19:54:29+00:00 August 21st, 2017|Blog|0 Comments

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