Pflanzliche und tierische Wachse als Inhaltsstoff in Naturkosmetik

Nachdem ich euch letzte Woche die Pflanzenöle in der Naturkosmetik vorgestellt habe, soll es dieses Mal um pflanzliche Wachse gehen. Fangen wir mit dem Allerwichtigsten an: Wachse dienen in der Naturkosmetik im Regelfall als Konsistenzgeber und ersetzen damit die (zu Recht) äußerst kritisch betrachteten Konsistenzgeber in Form von Paraffinen oder ähnlichen Inhaltsstoffen auf Mineralölbasis. Konsistenzgeber bedeutet, dass sie in Cremes, Lippenpflegestiften oder Körperbuttern dafür sorgen, dass diese stabiler und fester werden. Wachse weisen eine unterschiedliche Härte auf und unterscheiden sich hinsichtlich ihres Schmelzpunktes. Je härter das Wachs und je höher die Schmelztemperatur ist, desto fester wird das Produkt insgesamt. Besonders bekannte Wachse, die ich euch exemplarisch vorstellen möchte, sind Candelillawachs, Carnaubawachs, Rosenwachs, Jojobaöl und Bienenwachs. Der Vollständigkeit halber erwähnt seien natürlich auch die Paraffinwachse, gewonnen aus Erdöl, jedoch werde ich diese nicht weiter thematisieren, da sie in der Naturkosmetik keine Rolle spielen (sollten!).

Aufbau und Formen von Wachs

Kommen wir wieder zu unserem Ausflug in die Chemie bzw. Physik, diese Woche (versprochen!) sehr viel kürzer und einfacher als letzte Woche. Wachse werden unter anderem unterschieden nach Fruchtwachsen, Schalenwachsen, Gräserwachsen, Blütenwachsen und Blattwachsen. Zu den Fruchtwachsen gehören beispielsweise Beerenwachs und Apfelwachs, zu den Schalenwachsen Reis- und Sonnenblumenwachs, zu den Gräserwachsen gehört der Candelillawachs und zu den Blütenwachsen z.B. Jasmin- und Rosenwachs. Ein Blattwachs, das ich euch später detaillierter vorstellen möchte, ist Carnaubawachs. Wer besonders wachsam gelesen hat, fragt sich nun vielleicht, wo das gute, alte Bienenwachs abgeblieben ist. Da es sich hierbei um ein tierisches Wachs handelt, gehört es schlicht und einfach nicht in diese obere Einteilung (da pflanzliche Wachse), aber auch dazu lest ihr weiter unten mehr. Die genannten pflanzlichen Wachse zählen überwiegend zu den sog. wasserabweisenden Cuticulawachsen, d.h. sie stammen von den oberirdischen Pflanzenteilen und haben die Pflanze vor Hitze und UV-Licht sowie Wasserverlust beschützt. Damit sind es von der Pflanze eigens produzierte Wachse, die den großen Vorteil mit sich bringen, ein Produkt schützender und (Wasser-)abweisender produzieren zu können. Folglich legt sich wie ein leichter Film auf die Haut und bewahrt auch diese vor schädlichen Umwelteinflüssen. Aus physikalischer Sicht werden Wachse bei 20 Grad als knetbare und ab 40 Grad als schmelzende Substanzen beschrieben. Chemisch betrachtet sind Wachse Fette mit langkettigen und überwiegend gesättigten Fettsäuren, welche mit langkettigen, einwertigen Wachsalkoholen verknüpft sind. Neben diesen Estern von Wachssäuren bestehen Wachse aus Kohlenwasserstoff, Phytosterolen, Harzen, Carotinoiden, freien Fettsäuren, Triterpenalkoholen und anderen Substanzen, die die Farbe, Konsistenz und das (wie eingangs erwähnt) Schmelzverhalten bestimmen.

Rosenwachs – betörend für Haut und Sinne

Damaszener-RosDas Rosenwachs stammt von der Damaszener Rose, genauer gesagt befindet sich eine dünne Schicht davon auf den Blättern der Rose und wird mittels eines aufwendigen Verfahrens gewonnen. Wie der Name schon vermuten lässt, duftet das Wachs herrlich nach Rosen und ist in Naturkosmetik sehr beliebt. Mit einem Schmelzpunkt, der bei ca. 60 Grad liegt, wird es in Körperbuttern, dekorativer Kosmetik und Lippenpflege verwendet. Die Funktion, die pflanzeneigene Feuchtigkeit der Rose zu bewahren, übernimmt das Wachs ebenso in den Pflegeprodukten – es schützt vor Wasserverlust und legt sich wie ein leichter, schützender und wasserabweisender Film auf die Haut. Den Haaren verhilft es zu neuem Glanz.

Jojobaöl – das exotische Wachs mit vielseitiger Einsetzbarkeit

oel-aus-jojobaDas goldgelbe Jojobaöl ist quasi der Exot unter den Wachsen, denn wie schon der Name verrät, vermutet man hier eher ein Öl. Das ist allerdings weder ganz richtig noch falsch. Ich hatte oben die physikalischen Eigenschaften von Wachsen erklärt und eben diese Definition ermöglicht die Zuordnung von Jojobaöl als Öl und als Wachs. Physikalisch gesehen handelt es sich nämlich um ein Öl, chemisch gesehen ist Jojobaöl ein flüssiges Wachs und damit einzigartig in der Natur. Bei Zimmertemperatur ist es flüssig, jedoch wird es bei Temperaturen unter 8 Grad fest. Jojobaöl besteht zu 70% aus Gadoleinsäure sowie Erucasäure, Ölsäure, Palmitinsäure und Nervonsäure.Es weist einen geringen Sonnenschutzfaktor (von 4) auf und dient in Emulsionen vorrangig als Koemulgator und Konsistenzgeber. Angereichert in Cremes hinterlassen diese ein glattes, weiches Hautgefühl, zusätzlich wirkt das Jojobaöl rückfettend und feuchtigkeitsregulierend. Es lässt sich sehr leicht verteilen, weswegen man es auch häufig in Massageölen vorfindet. Ebenfalls pflegt es brüchiges Haar und unterstützt die Regeneration der Kopfhaut bei Schuppen. Da Jojobaöl nicht von Keimen und Mikroorganismen, die sich auf unserer Haut befinden, verstoffwechselt werden kann, zeigt es eine entzündungshemmende und antimikrobielle Wirkung. Darüber hinaus besitzt das Wunderwachs Provitamin A und Vitamin E, was die Faltenbildung mildert und vor freien Radikalen schützt. Wegen seiner Vielseitigkeit ist Jojobaöl für jeden Hauttyp geeignet.

Bienenwachs – das tierische Wachs für gepflegte Haut

bienenwachsBienenwachs gehört zu den weichen Wachsen, das bei ungefähr 60 – 65 Grad flüssig wird und findet Verwendung in Kosmetikprodukten, denen eine gewisse Zähigkeit verliehen werden soll. Im naturbelassenen Zustand ist Bienenwachs gelb (cera flava), während das gebleichte Wachs weiß ist (cera alba). Es ist ein tierisches, wasserunlösliches Wachs, das von den Arbeiterbienen in deren Körpern produziert und als winzig kleine Wachsplättchen ausgeschieden wird. Es dient dem Bau der sechseckigen Bienenwaben. Bienenwachs ist ein Gemisch aus Estern von langkettigen Fettalkoholen, Fettsäuren und Kohlenwasserstoffen. Zudem enthält es über 300 bienenspezifische Aromastoffe. Bienenwachs ist neben dem kosmetischen Einsatz auch als Bestandteil von Kerzen oder Möbelpolitur bekannt. Es hat wunderbar pflegende Eigenschaften, die sich bei trockener und spröder Haut besonders eignen. Bienenwachs schützt in geringer Dosis vor Feuchtigkeitsverlust und Witterungseinflüssen, in hohen Dosierungen hinterlässt es einen für einige als unangenehm empfundenen wachsigen Film. Allgemein ist Bienenwachs eine sehr verträgliche Fettkomponente, es kann jedoch vereinzelt durch Pollenrückstände zu allergischen Reaktionen bei entsprechender Neigung kommen. Die Alternative für Pollenallergiker ist Carnaubawachs.

Carnaubawachs – besonders für Allergiker geeignet

CarnaubawachsDas Caranaubawachs ist ein pflanzliches Wachs mit sehr hoher Festigkeit. Die Schmelztemperatur liegt bei ca. 87 Grad, sodass es häufig für Kosmetik-Stifte wie Lippenpflege oder dekorative Kosmetik eingesetzt wird. Es eignet sich hervorragend für Allergiker, da es sehr hautfreundlich und frei von Geruchsstoffen ist. Gewonnen wird das Carnaubawachs von den Blättern der brasilianischen Carnauba-Palme. Hier bewahrt die feine Wachsschicht die Blätter vor dem Austrocknen. Zur Gewinnung des Wachses werden in der Trockenzeit die Blätter abgeschnitten, zum Trocknen auf Matten ausgelegt und schließlich gespalten. Durch das Vertrocknen der Blätter haben sich wachsartige Schuppen gebildet, die durch Klopfen oder Bürsten abgelöst werden. Anschließend erfolgt die Schmelzung. Das Wachs besteht vorrangig aus gesättigten höheren Fettsäuren, Carnaubasäure, Kohlenwasserstoffen, Cerotinsäure und Cerotinsäuremyriclester. Carnaubawachs hat einen dezenten Geruch und eine hellgelbe Farbe. In der Kosmetik wird das Wachs einerseits für dekorative Kosmetik wie Lippenstifte, Mascara oder diverse Konturenstifte verwendet, andererseits wird es in diversen Emulsionen eingesetzt. Die Wirkung ist  dabei schützend, leicht filmbildend und dadurch wasserabweisend. In geringer Menge sorgt Carnaubawachs in Spülungen für mehr Glanz und Griffigkeit der Haare. Das besonders Gute an dem härtesten, natürlich vorkommenden Wachs: es bleibt auch bei hochsommerlichen Temperaturen formstabil.

Candelillawachs – verleiht Lippenpflege ihre Festigkeit

wachs-aus-candelillaCandelillawachs (INCI: Candelilla Cera) ist ebenso wie Carnaubawachs ein pflanzliches, sehr festes Wachs mit einer Schmelztemperatur um 70 Grad. Das Wachs hat eine gelbliche Farbe und ist im festen Zustand nahezu geruchslos. Erst beim Schmelzen entfaltet sich ein süßlich-aromatischer Duft. Das Candelillawachs wird bevorzugt in Lippenpflegeprodukten und Massagebars eingesetzt, in geringen Mengen ist auch der Einsatz in Cremes möglich. Daneben sorgt es in Haarspülungen für mehr Glanz, Griffigkeit und Kämmbarkeit. Candelillawachs wird von den Blättern einiger aus Mexiko bzw. Texas stammender Wolfsmilchgewächse wie Euphorbia cerifera oder Pedilanthus pavonis mittels Auskochen gewonnen. Das Wachs dient als Schutz vor Feuchtigkeitsverlust und wird von den Blättern und Trieben ausgeschieden. Candelillawachs besteht vorrangig aus Kohlenwasserstoffen und enthält außerdem Fettalkohol, Fettsäuren und Ester.

By | 2017-08-21T20:06:48+00:00 August 21st, 2017|Blog|0 Comments

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