Tierversuche in Kosmetik

Viele Jahrzehnte lang war es Gang und Gebe, dass Tiere für Versuche herhalten mussten, um Medikamente, Kosmetik und Co. auf ihre positive und negative Wirkung hin zu testen. Das Thema Medikamente blende ich hier vorerst mal aus und möchte mich auf den Kosmetikbereich beschränken. Denn zumindest hier gab es über die Jahre große Fortschritte.

Tierschutzgesetz greift bei Kosmetika

deutscher-tierschutzbund-logo_285x255Einer der „größten Siege“ sozusagen war das nach 30-jährigem Kampf in Kraft getretene Verbot neu an Tieren getestete Kosmetik in Europa zu importieren oder zu verkaufen. Das war am 11. März 2013. Doch auch zuvor setzten sich Tierschützer und Organisationen für das Verbot von „Versuchskaninchen“ ein – mit Erfolg. Der deutsche Tierschutzbund feierte bereits 1998 einen Erfolg, denn seitdem sind laut deutschem Tierschutzgesetz Tierversuche für die Entwicklung von Kosmetika verboten. 2004 folgte EU-weit das Verbot, Tierversuche für die Prüfung fertiger Kosmetika durchzuführen. Seit März 2009 sind in der EU Tierversuche für neue kosmetische Inhaltsstoffe abgeschafft und fertige Kosmetika, die aus Drittländern stammt und an Tieren getestet wurde, darf in der EU nicht vermarktet werden. Das im März 2013 in Kraft getretene Verbot stand übrigens auf der Kippe, denn es sollten sog. „Ausnahmen“ geschaffen werden, die wiederum Tierversuche gestattet hätten. Hintergrund: es gebe angeblich keine ausreichenden tierversuchsfreien Methoden für die Sicherheitsprüfung von Kosmetika. Doch zum Glück: das Vermarktungsverbot ist seit 2013 ohne jegliche Ausnahmen geltend.

Chemie in kosmetischen Produkten

Kommen wir aber zurück zur Realität: es wäre utopisch anzunehmen, dass der Kampf gegen Tierversuche bereits gewonnen wäre. Denn in Kosmetika gibt es viele chemische Inhaltsstoffe, die sich auch in Wandfarben, Reinigungsmitteln und Co. (Anmerkung: allein diese Kombi finde ich erschreckend) wiederfinden und für die Marktzulassung in Tierversuchen geprüft wurden. Und: die oben genannten Gesetze gelten für NEUE Kosmetik, heißt: „alte“ Produkte dürfen wie bisher uneingeschränkt verkauft werden.

Kosmetik-Positivliste des Deutschen Tierschutzbundes

Der Hoffnungsschimmer: es gibt eine Kosmetik-Positivliste des Deutschen Tierschutzbundes, die kontinuierlich wächst. Die darin benannten Hersteller führen a) keine Tierversuche durch und verwenden b) nur Inhaltsstoffe, die seit 1979 nicht mehr im Tierversuch getestet wurden. Ihr erkennt diese unter anderem an dem kleinen Hasen mit der schützenden Hand (Logo der IHTK e.V. – Internationaler Herstellerverband gegen Tierversuche in der Kosmetik e.V.). Die Richtlinien des Deutschen Tierschutzbundes hierzu sowie die komplette Positivliste findet ihr hier (http://www.tierschutzbund.de/kosmetik-positivliste.html). Neben anderen befinden sich hier auch diverse Naturkosmetikhersteller wie Martina Gebhardt und Primavera Life. Daneben gibt es eine Liste von PETA Deutschland e.V., die Kosmetik-Hersteller führt, die gegenüber der Organisation schriftlich versichert haben, keine Tierversuche durchzuführen oder in Auftrag zu geben:  alva Naturkosmetik, i+m Naturkosmetik, Logona, Sante uvm. Parallel haben sich inzwischen auch die großen Naturkosmetik-Zertifizierer zur Tierversuchen positioniert und haben entsprechende Regelungen in ihre Richtlinien aufgenommen.
Fazit: es bleibt wohl vorerst ein Dschungel aus Labels, an dem wir versuchen müssen, uns zu orientieren. In jedem Falle haben Naturkosmetik-Hersteller ein relativ klares Standing gegen Tierversuche, was ein zusätzlicher Pluspunkt ist (neben den hochwertigeren Inhaltsstoffen im Vergleich zu herkömmlicher Kosmetik).

By | 2017-08-26T15:00:46+00:00 August 26th, 2017|Blog|0 Comments

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